Der Links­protestantismus

Der Links­protestantismus

Der Protestantismus war über viele Jahrhunderte eine staatstragende Macht, für die das Bündnis von Thron und Altar eine Selbstverständlichkeit war. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wird die EKD von konservativen Strömungen bestimmt. In den 1960er Jahren wird die Kirche nicht einfach links. Aber sie verändert sich nachhaltig: Immer mehr evangelische Christenmenschen protestieren für den Frieden und gegen Atomenergie, gegen soziale Ungerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung. Ist ein solcher Linksprotestantismus eine fragwürdige Politisierung der christlichen Botschaft? Oder eine überfällige Rückkehr zum prophetischen Auftrag der Kirche?

Huber, Wolfgang (1998): Kirche in der Zeitenwende. Gesellschaftlicher Wandel und Erneuerung der Kirche. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

Für das Verständnis der EKD in den letzten Jahrzehnten ist das eines der wichtigsten Bücher der jüngeren Vergangenheit. Huber kritisiert die Selbstsäkularisierung des Protestantismus im 20. Jahrhundert und wirbt für eine neue Verbindung von Weltoffenheit und Gottbeziehung, Diakonie und Evangelisation

 

Bedford-Strohm, Heinrich (2017): Radikal lieben. Anstöße für die Zukunft einer mutigen Kirche, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

Eine viel zu wenig wahrgenommene Bestandaufnahme des Ratsvorsitzenden der EKD. Bedford-Strohm wirbt in diesem Buch für eine neue Erweckungsbewegung der Liebe, in der sich unterschiedliche Strömungen der Kirche von liberal bis evangelikal gemeinsam Einsetzen für eine geistliche Erneuerung der Kirche und eine an der Option für die Armen orientierten öffentlichen Einmischung der Kirche.

 

Birnstein, Uwe (2008): Der Querdenker: Wie Helmut Gollwitzer Christen für den Frieden gewann.

Helmut Gollwitzer war jesuszentriert und politisch, theologisch offenbarungsgläubig und zugleich progressiv bzw. links in gesellschaftlichen Fragen. Uwe Birnstein portraitiert in diesem Buch einen Theologen, der häufig zwischen allen Stühlen saß und niemanden kalt ließ.

 

Sölle, Dorothee (1999): Gegenwind. München: DTV-Verlag.

Dorothee Sölle gilt als eine der wichtigsten Theologinnen des 20. Jahrhunderts; und eine der bekanntesten Vertreterinnen des Linksprotestantismus. Sie war streitbar, leidenschaftlich, ins Leben verliebt und fromm; all das auf ihre Weise. Man sollte nicht vergessen, dass sie in ihrem Leben die längste Zeit nicht zum Mainstream gehörte, weder in der Kirche noch in der Theologie. In ihrer Biographie berichtet sie von manchem Kampf, aber auch von Veränderung und Reifung.

 

Schroeter, Harald (1993): Kirchentag als vor-läufige Kirche: Der Kirchentag als eine besondere Gestalt des Christseins zwischen Kirche. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Renner, Christiane (2020): Phänomen Kirchentag: Event, Hybrid, Gemeinde? Praktisch-theologische Erkundungen Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Außer dem jeweiligen Ratsvorsitzenden prägt das öffentliche Gesicht der Kirche nicht so sehr wie die Kirchentage. Es dürfte vor allem die starke mediale Präsenz der Kirchentage sein, die den Ruf der Evangelischen Kirche als links-grün befördert; auch wenn das der Kirche insgesamt nur teilweise gerecht wird. Diese beiden Studien erörtern die überragende Bedeutung dieser Veranstaltungen.

 

Moltmann, Jürgen (2006): Weiter Raum: Eine Lebensgeschichte. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

Moltmann-Wendel, Elisabeth (1997): Wer die Erde nicht berührt, kann den Himmel nicht erreichen. Benzinger.

Das Ehepaar Elisabeth Moltmann-Wendel und Jürgen Moltmann hat den Protestantismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt; Er durch seine Vermittlung der politischen Theologie und der Befreiungstheologie für die deutschsprachige Theologie, sie durch die ersten Anstöße für eine Feministischen Theologie in Kirche und Theologie.

 

Weizsäcker, Carl Friedrich von (1986): Die Zeit drängt – Eine Weltversammlung der Christen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.

In den 1980er Jahren hatten die Kirchentage großen Zustrom von über 100.000 Gläubigen, aber auch vielen politisch Interessierten. Vor allem der Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung galt als zentrales Anliegen vieler der Versammelten. Carl Friedrich von Weizsäcker war mit seinen Reden und Veröffentlichungen eine der eindrücklichsten Beispiele eines politisch sensiblen Laienprotestantismus.